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Einkaufen in Irland ... die Qual der kleinen Auswahl

Auf der Suche nach "heimatlichen" Lebensmitteln (zu einem bezahlbaren Preis)

Man muss nicht unbedingt glühender Nationalist sein, um im Ausland relativ schnell eine gewisse Sehnsucht nach der "alten Heimat" zu entwickeln. Eine Sucht, an die man vorher meist noch nie gedacht hatte. Spätestens nach vier Wochen mit irischem Toast und dem ach-so-tollen Brown Soda Bread überkommt die meisten Menschen ein unstillbares Verlangen nach "richtigem" Vollkorn- oder Schwarzbrot. Oder nach anderem Brotbelag als "honey roast cooked ham". Doch woher nehmen, nicht stehlen und auch nicht via eBay bestellen?

Hier unsere Einkaufstipps für Irland:

Deutsche Kolonialwarenhandlungen - Aldi und Lidl

Der erste Anlaufpunkt des heimat-hungrigen Deutschen, Österreichers oder Schweizers sollten die Discounter Aldi und Lidl sein. Obwohl sich das Sortiment zeitweise immer mehr am irischen Standard orientierte (also drei Sorten "baked beans" statt einmal wenigstens grüner Bohnen), scheinen beide Ketten sich wieder auf den kontinental-europäischen Kunden zu besinnen. Umso mehr, seitdem nach der EU-Erweiterung reichlich osteuropäische Kundschaft hinzukam.

Wichtige "Grundnahrungsmittel" im Angebot sind (unter anderem):
  • Brot (Brötchen zum Fertigbacken, Schwarz- und Vollkornbrot sowie Brotbackmischungen);
  • Wurst (Salami, Kabanossi, Frankfurter, Nürnberger, Thüringer, Leberwurst);
  • Schwarzwälder Schinken;
  • Frikadellen;
  • Käse (Gouda, Edamer und Camembert zu moderaten Preisen, ebenso Kräuter- und Räucherkäse);
  • Quark (leider nur noch Fruchtquark);
  • Rotkohl im Glas.

Irlands Supermärkte

... sind nahezu ausnahmslos ein Enttäuschung. Mitteleuropäische Lebensmittel findet man nur sporadisch und oft zu horrenden Preisen. An "deutschen" Lebensmitteln sind meist nur Sauerkraut, Rotkohl, Salami und Ritter Sport zu bekommen. Etwas besser sieht es in der "polnischen Ecke" aus (obwohl Kohlrouladen in Tomatensauce eher gewöhnungsbedürftig sind), die vor allem Dunnes und Supervalu eingeführt haben.

Tesco und Superquinn haben ein ähnliches Angebot, wobei Preisvergleiche durchaus lohnen können. Das kleine Angebot bei Marks & Spencer (die Lebensmittelabteilungen sind die grössten Singletreffs in Irland) hat gelegentlich Überraschungen zu bieten - so dicke Bohnen (tiefgefroren).

Einkaufsflucht nach Norden?

Der Geheimtipp für den Gourmet (oder Gourmand) im nördlichen Teil der grünen Insel ist der Einkaustörn nach Nordirland - wie früher bei den "Butterfahrten" kann man hier oft überraschend günstig (und bei einem breiteren Angebot) einkaufen. Selbst das Warenangebot bei Tesco und Dunnes unterscheidet sich vom "Süden". Und bei Grossmärkten wie Sainsbury oder Asda glaubt man sich ab und an in einem Paralleluniversum.

Das Sortiment scheint eher an den Gaumen der "Ulster-Scots" angeglichen und enthält neben Scotch Eggs auch solche Exoten wie Zungenwurst, Wildpastete oder Lager Shandy (Radler oder Alsterwasser). Natürlich lohnt sich so eine Fahrt erst ab einem bestimmten Einkaufsvolumen oder wenn man "eh gerade da ist".

"Continental Foods and Delicatessen"

Neben dem mittlerweile legendären deutschen Fleischer bei Killarney und dem deutschen Bäcker in Arklow gibt es zahlreiche "Feinkostläden", die auch deutsche Spezialitäten anbieten. Auch wenn die Rügenwalder Teewurst dort ein Vermögen kostet ...

Mittlerweile bieten jedoch auch viele kleine "Supermärkte" sogenannte "continental foods" an. Wobei die nähere Definition interessant sein kann - sowohl pakistanische als auch nigerianische Läden firmieren so. Der Blick in diese kann jedoch lohnen - siehe unsere Liste begehrter Lebensmittel weiter unten.

Der "Russenladen"

Seit drei bis vier Jahren nahezu überall wie Pilze aus dem Boden spriessend und meist von Litauern oder Polen betrieben, haben die "Russenläden" ein pan-osteuropäisches Lebensmittelangebot, das auch den deutschen Gaumen reizen kann. Ein Gang durch die Regalreihen kann zur Epiphanie werden - wenn man die Ware identifizieren kann. Zur Not hilft Nachfragen, auch wenn dies unter Verwendung von Händen und Füssen geschieht. Alternativ kann man bei schlechtem Englisch des Personals es auch schon 'mal auf Deutsch versuchen oder eventuell vorhandene Russischkenntnisse entstauben. Das polyglotte Einkaufserlebnis ist jedenfalls fast immer gewährleistet.

Was leider nicht immer gewährleistet ist, das ist die Frische der Ware - die Betreiber der Läden haben oft ein liberales Verhältnis zum Ablaufdatum. Hier ist Obacht angesagt.

Hausmannskost ... vom Hausmann selbst gemacht!

Wenn das alles nichts hilft, dann heisst es "Selbst ist der Mann" - oder die Frau. Glücklich, wer jemals Kochen gelernt hat! Die weitaus meisten Rohzutaten findet man in Irland ohne grosse Probleme und ein umfassendes Kochbuch "für die junge Hausfrau" hilft enorm.

Oder Sie geben sich weiterhin mit Salt & Vinegar Crisps zufrieden ...

Wo finde ich was in Irland ...?

Hier noch ein paar immer wieder gefragte "Spezialitäten" und dazu passende Lösungsansätze:
  • Bohnen (getrocknete) - Die beste (und vor allem günstigste) Quelle sind asiatische Supermärkte, vor allem von Indern oder Pakistanis betriebene.
  • Brötchen - Wer keine Pappbrötchen mehr sehen kann, sollte die Mini-Baguettes von "Cuisine de France" kaufen. Zum Selberfertigbacken geeignete Brötchen gibt es in nahezu allen Supermärkten sowie bei Aldi und Lidl (hier auch als Körnerbrötchen).
  • Bratwurst - Bei Aldi und Lidl in brauchbarer Auswahl und Qualität erhältlich.
  • Glutenfreie Lebensmittel - Können in nahezu jedem Supermarkt in der "Gesundheitsecke" gekauft werden, alternativ auch in (oft teureren) "Health Stores" (Reformhäusern).
  • Kirschsaft - Vor allem in asiatischen Läden, oft auch im "Russenladen" erhältlich, die türkische Marke "Aytac" scheint zu dominieren.
  • Knödel - Fertigknödel und Mischungen von Pfanni findet man in einigen wenigen Feinkostläden, im "Russenladen" findet man Teigmischungen oder tiefgefrorene Fertigknödel als "Zeppelinchen".
  • Kohlrabi - Kaum in Irland bekannt, wird der Kohlrabi oft nur auf Bio-Marktständen angetroffen. Oder im asiatischen (vor allem chinesischen) Supermarkt.
  • Linsen (getrocknete) - Die beste (und wieder günstigste) Quelle sind asiatische Supermärkte, vor allem von Indern oder Pakistanis betriebene.
  • Maggi-Würze - Achtung: Kaufen Sie das Liebstöckel-Gebräu nur im Feinkostladen und nur mit Herkunftsland Deutschland ... die häufig zu findende asiatische Variante ist mehr eine Art Sojasosse!
  • Malzbier - Erhältlich in nigerianischen oder südafrikanischen Läden, seltener auch beim Pakistani.
  • Matjes - Den jungfräulichen Hering gibt es in verschiedenen Geschmacksvarianten im "Russenladen".
  • Quark - Sehr selten in Irland, oft wird man auf Fromage Frais oder "Greek Style Joghurt" zurückgreifen müssen. Für einen leckeren Kräuterquarkersatz empfiehlt sich eine Mixtur aus griechischem Joghurt und Kräuterschmierkäse (von Lidl).
  • Pflaumenmus - Der heilige Gral des deutschen Gourmets ... noch nie in Irland gesichtet (ausser als Eigenimport).
  • Pilze (ausser Champignons) - Jeder "Russenladen" bietet eingelegte Pilze im Glas, oft allerdings sehr sauer. Getrocknete Pilze findet man in vielen chinesischen Supermärkten, hier aber mehr die exotischen Varanten.
  • Rollmops - Den gerollten Hering gibt es im "Russenladen" oder (aus dänischer Produktion) in vielen Supermärkten.
  • Rotkohl - Seit einiger Zeit wieder bei Lidl im Glas erhältlich, sonst auch in Folienverpackung in einigen grösseren Supermärkten. Im "Russenladen" zu findende Produkte sind fast immer säuerlich eingelegtes Rotkraut.
  • Sauerkraut - Im Glas von Kühne in grösseren Supermärkten erhältlich ... oder aus vor allem polnischer Produktion im "Russenladen", diese Variante definiert allerdings oft das Attribut "sauer" ganz neu.
  • Spätzle - Gelegentlich im "Russenladen" zu finden.
  • Tees - Obwohl die Iren nach den Irakern die grössten Teetrinker der Welt sind, kommt einem das Angebot schnell recht beschränkt vor. Aromatisierte Schwarztees kann man günstig im "Russenladen" bekommen, Kräuter- und Früchtetees ("infusions") auch in irischen Supermärkten und Health Stores.
  • Toffifee - Ich sage nur ... Aldi!
  • Überraschungseier - Mehr für Sammler als für Gourmets: Die in Irland erhältlichen Ü-Eier sind keine besonderen Kelteneier. Da lohnt sich eher der Griff zur osteuropäischen Imitation im "Russenladen".

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