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Droichead.net Auswandern nach Irland Grundgedanken zur Auswanderung nach Irland

Auswandern nach Irland ... einige Grundgedanken!

Warum will ich auswandern? Meine persönlichen Voraussetzungen

Will ich wirklich auswandern?


War ich schon mal ein Ausländer?

Warum Irland als Ziel?

Ach wie trüb ist mein Sinn, wenn ich in der Fremde bin!
Max von Schenkendorf (1783-1817)

Warum will ich auswandern?

Die erste Frage, die man sich als Auswanderungswilliger stellen sollte (und auch stellen lassen muss, etwa im Bewerbungsgespräch), ist die zentrale Frage überhaupt: "Warum überhaupt Auswanderung?"

Wir reden hier schliesslich nicht von Auswanderungswellen wie im 19. Jahrhundert von Irland nach Amerika, weil Hungersnot und Unterdrückung herrschten. Wir reden auch nicht von Flucht vor Krieg, politischer Unterdrückung oder bitterer Armut in der "Dritten Welt". Nein - die meisten Auswanderer aus der Schweiz, aus Österreich oder Deutschland dürften weitaus weniger drastische Gründe haben.

Die "Neustarter" - Oftmals sind es Menschen, die an einem bestimmten Punkt im Leben oder Beruf einfach einen neuen Start suchen. Nicht, weil sie es müssen ... sondern weil sie es wollen. Diese Menschen gehen meistens überlegt an die Sache heran, denn sie haben schon etwas Erfahrung gesammelt, sind bereits einige Jahre auf eigenen Füssen durch das Leben gegangen und wissen, welche Risiken und Chancen einen Lebensweg immer und vor allem überall begleiten. Sie bilden die realistischste Gruppe der "Auswanderer" hier in Irland, gehören zu den stabileren Menschen und sind meist nicht mehr im "Studentenalter" (obwohl  ... manche Dauerstudenten verzerren das Bild).

Gerade der "neue Start" setzt aber eines voraus - man muss schon mal einen anderen Start mitgemacht haben. Also nicht frisch von der Uni oder gar Schule ankommen.

Für Arbeitgeber sind gerade die "Neustarter" die generell besten Kandidaten, wenn sie ihren Neustart im Interview auch einigermassen begründen können - ihre Lebensläufe spiegeln zwar oft eine Art organisiertes Chaos wider, aber durch ihr persönliches Auftreten bringen sie wieder Ordnung in dasselbe. Sie wissen, was die Gründe für ihren Neustart sind, reden auch meist offen darüber und gestehen eigene Schwächen ein. Sie sehen die Auswanderung als Chance, wissen aber auch, dass nur sie selbst diese Chance erarbeiten und letztlich umsetzen können.

Realistisch gesehen bietet Irland immer noch relativ gute Chancen für "Neustarter" - es ist eine Reihe von Einsteigerjobs vorhanden (vor allem allerdings im Call Center Bereich oder in der Gastronomie/Hotelgewerbe), so dass man relativ schnell Fuss fassen kann. Dazu kommt die Tatsache, dass die meisten Multinationalen vor allem auf Können, nicht aber so sehr auf Qualifikation schauen, wenn es um die Besetzung der Stellen geht.

Die "Frischlinge" - Den "Neustartern" sehr ähnlich sind diejenigen Auswanderer, die ihre ersten Schritte im Berufsleben wagen - als "Frischlinge" sozusagen, mit oder ohne Berufsausbildung und/oder Studium. Sie kommen nach der Schule, der Ausbildung oder dem Studium nach Irland, um hier erste Erfahrungen zu sammeln. Ihnen fehlt einiges an Lebenserfahrung, was sie jedoch durch viel Optimismus wettmachen.

Gerade Schulabgänger sind jedoch für Arbeitgeber oftmals ein Graus - die erhebliche Stamina im Nachtleben überträgt sich oft eher negativ auf die Aktivität im Job. Typische Probleme sind Krankheitstage zu Wochenbeginn wegen "Kopfschmerzen", leichte Koordinationsschwierigkeiten am Morgen oder die Tendenz, den Arbeitsbeginn eher flexibel zu sehen. All das führt schnell zu Gesprächen zum Thema "Corrective Action" ... oder, gerade bei Restblut im Alkohol, auch schon mal zum schnellen Arbeitgeberwechsel.

Die Begeisterung für Schul- und Studienabgänger hat sich schon länger gelegt, man sollte doch schon einige Eindrücke aus dem Arbeitsleben vorweisen können. Wer jedoch gejobbt hat oder Praktika nachweisen kann, hat gute Chancen, gerade für einen Zeitvertrag.

Die "Karrieremenschen" - Eine dritte Gruppe von Auswanderern bilden diejenigen, die den Wechsel nach Irland als konsequente Fortführung des Berufsweges sehen. Wir reden dabei nicht von "frischen Umschülern", also etwa arbeitslosen Akademikern mit einer Weiterbildung im EDV-Bereich - das sind "Neustarter". Nein! Diese Menschen sind in der Regel schon länger qualifiziert und wagen den Schritt, weil sie im Ausland verschiedene Möglichkeiten zur Verbesserung des eigenen Arbeitslebens sehen. Sie werden oft direkt von ihren Arbeitgebern angesprochen ... oder von spezialisierten Headhuntern ... und ihnen wird der Wechsel dazu nicht nur einfach gemacht, sondern auch von A(rbeitserlaubnis) bis Z(weizimmerwohnung) finanziert und ohne wesentliche Eigenbeteiligung erledigt. Lucky you! Allerdings ... manche Lobeshymnen des neuen Arbeitgebers vor der Umsiedlung erweisen sich auch als Schall und Rauch, deswegen sollten auch "Karrieremenschen" eine "zweite Meinung" einfordern. Von möglichst neutraler Stelle.

Die "Abenteurer" - Kommen wir letztlich zum Indiana Jones der Emigranten, dem Auswanderer aus Abenteuerlust, dem allerdings meist die Peitsche, der Hut und leider auch die Zielstrebigkeit des Filmhelden fehlen. Diese Menschen stolpern oft ohne genauen Plan in Bewerbung und Interview hinein, verkaufen sich oberflächlich gesehen recht gut, wissen jedoch gerade auf die Frage "Und warum wollen Sie auswandern?" nichts konkretes zu antworten. Sie wollen auswandern, weil das gerade toll klingt - und das klingt natürlich im Bewerbungsgespräch nicht gerade toll. Sehr pauschalisierend handelt es sich hier oft um Menschen mit abgebrochenem Studium, mit einer Palette an unqualifizierten Jobs im Lebenslauf, mit kurzen Zeiten der Festanstellung (... wenn überhaupt!).

Arbeitgeber verdanken diesen Menschen oftmals grossartige Unterhaltungsmomente, leider aber auch oft Probleme eben durch ihr Selbstbild als "Lebenskünstler", "Philosoph" oder "Hans Dampf in allen Gassen". "Mal ausprobieren" ist trotz aller plakatierter "Lockerheit des irischen Lebens" nicht das Motto bei den meisten Firmen in Irland, daher müssen sich selbst die abenteuerlustigsten Emigranten in der Praxis schnell zu "Neustartern" wandeln, meist schon im Interview diese Wandlung offenbaren. Alternativ wäre der Einstieg nach Irland über einen Zeitvertrag (... die meist "knebeln") oder, und das ist für Arbeitgeber wie für "Indiana" ideal, als Temp (über Zeitarbeitsfirmen) möglich.

Die "Aussteiger", "Flüchtlinge" und "Versager" - Übrigens ... eng verwandt ist der "Aussteiger", der "den ganzen Stress, den Konsumterror und die Hektik in Deutschland ... und Hartz IV sowieso, weisst Du?" hinter sich lassen will. Der überlebt jedoch nur bei den verzweifeltsten Arbeitgebern das Interview ... und sollte daher besser gleich die Selbständigkeit anstreben.

Eine interessante Gruppe von Auswanderern sind aus vielerlei Sicht die "Flüchtlinge" und "Versager" (willkürlich gewählte, krasse Begriffe - aber sie treffen den Punkt). Die meisten "Flüchtlinge" kehren Deutschland den Rücken, weil sie dort keine Perspektive mehr sehen. Viele könnte man als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen - Schulden und eine miese Arbeitsmarktlage gemeinsam zwingen sie zur Emigration, das Ziel Irland ist oftmals nur zufällig gewählt. Die "Versager" dagegen verlassen das Land, weil ihr bisheriger Lebensweg eben durch ein Versagen im herrschenden System geprägt wurde. Sie sind meist beruflich qualifiziert, konnten jedoch keine Arbeitsstelle für längere Zeit halten, da sie mit dem täglichen Berufsleben nicht zurechtkommen.

Sowohl "Flüchtlinge" als auch "Versager" taumeln meist als passives Opfer der Umstände (so jedenfalls das Selbstbild) in die Bewerbung, können dann aber relativ schnell entscheiden, ob sie sich weiter treiben lassen oder zum "Neustarter" werden. Diese Entscheidung wird letztlich nur davon abhängen, wie realistisch man sich selbst und den bisherigen, negativ geprägten Lebensweg einschätzen kann und wie bereit man ist, daran (und damit an sich selbst) etwas zu ändern. Jeder aus diesen Gruppen, der ein Interview übersteht und ein Arbeitsplatzangebot bekommt, hat die Chance zu einem neuen Anfang.

Aus Arbeitgebersicht sind beide Gruppen potentiell gefährlich (weil in sich explosiv ...), aber auch eine potentielle Chance: Oftmals ist es ihnen nämlich so gut wie unmöglich, in Deutschland eine geregelte Arbeit zu finden (zum Beispiel wegen Gehaltspfändung). Das bedeutet im Gegenzug, dass eine "Flucht zurück nach Deutschland" hier oft schon im Vorfeld flachfällt ... und dass im Gegenzug die Loyalität zum Arbeitgeber hoch anzusiedeln ist. Tatsache ist, dass sich der Arbeitgeber durch die Chance, die er den "Flüchtlingen" und "Versagern" bietet, und durch deren persönliche Geschichte, oftmals sehr treue Mitarbeiter erkauft - die sich dann im Laufe der Zeit eben zu "Neustartern" verwandeln. Das ist eine ideale "Win-Win-Situation".

Beide Gruppen sollten jedoch nicht auf die permanente Unterstützung durch Arbeitgeber und Vorgesetzte hoffen - gewiss macht man mal Konzessionen, wenn es um Gerichtstermine geht, oder um Besuch bei den Kindern. Auch lässt man sich schon eher auf Kompromisse ein, wenn man die Aussicht auf Besserung hat. Das wird jedoch nach einiger Zeit eng: Die Zahl der freien Tage ist begrenzt, der Spielraum für Flexibilität von den Anforderungen des täglichen Geschäfts vorgegeben. Spätestens, wenn sich ein Gefähl des "Durchschleppens" einstellt, wird es gefährlich!

Wo stehen Sie selbst?

Nun zur entscheidenden Frage: Wo sehen Sie sich selbst?
 
Erkennen Sie sich als Neustarter oder als derjenige mit den ersten Schritten im Berufsleben, dann ist Auswanderung eine Alternative, die man überdenken und durchaus in Erwägung ziehen sollte. Gerade bei den ersten Schritten im Berufsleben sollten Sie jedoch überlegen, ob eine "Auszeit", also ein befristeter Aufenthalt, nicht eher Ihr Wunsch ist?

Erkennen Sie sich als Karriereauswanderer, ist die Frage des Für und Wider eigentlich müssig. Nur die Überprüfung der Aussagen des Anwerbenden sollte noch auf  Ihrer Liste stehen ...

Erkenne
n Sie sich als Abenteuerlustiger, sollten Sie verstehen, dass viele Firmen (und auch Behörden ... zum Beispiel "social security") diese Lust nicht unbedingt teilen. Eine Auszeit ist wahrscheinlich die bessere und ehrlichere Lösung für Sie. Beachten Sie jedoch, dass Aushilfsjobs in Irland mittlerweile dünn gesät sind und die Lebenshaltungskosten umso saftiger!

Erkenn
en Sie sich als Aussteiger wieder ... glauben Sie uns bitte: In Irland gibt es auch Druck, Stress, Hektik, Konsumterror, jedenfalls in der Nähe der meisten Arbeitsplätze. SIe werden am ehesten als Selbständiger glücklich werden, wenn Sie denn davon leben können!

Erkenn
en Sie sich als "Flüchtling" oder "Versager", haben Sie ja schon einen ersten, wichtigen Schritt gemacht, Ihr "Schicksal" zu ändern: Sie haben Ihre Situation erkannt. Also ... werden Sie jetzt bewusst zum "Neustarter".

Übrigens haben wir eine Kategorie von Auswanderern noch nicht erwähnt, uns bislang mmer auf die Auswanderung aus wirtschaftlichen Gründen konzentriert. Es gibt auch noch die Idealisten, die nur nach Irland wollen, weil es eben Irland ist. Oder jene, die wegen einer Beziehung nach Irland gehen ...

Meine persönlichen Voraussetzungen

Eine Frage, die Sie sich auch stellen sollten, ist diese: "Welche persönlichen Voraussetzungen bringe ich generell mit?" Genau von diese persönlichen Voraussetzungen nämlich hängen oft Erfolg oder Misserfolg der Auswanderung mehr ab als von äusseren Faktoren wie Arbeitgeber, Gehalt oder sogar Standort.

Vor allem sieben Faktoren stellen sich immer wieder als wichtig heraus: Ausbildung, Berufserfahrung, Sprachkentntnisse, Familie, Gesundheit, Stressresistenz und der Umgang mit eventueller Isolation.

Ausbildung - Die Frage muss gestellt werden: Haben Sie eine Ausbildung oder ein Studium? Es geht hier gar nicht um das Thema, was Inhalt dieser Ausbildung oder Studiums war, sondern um das "Durchhalten" an sich. Geben Sie sich je nach Ihrer individuellen Lage zwei Punkte, wenn Sie eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben; einen Punkt, wenn Sie ohne Abschluss, aber erst nach etwa der Hälfte der Ausbildungszeit (Studium: nach erfolgreichem Grundstudium) abgebrochen haben; keinen Punkt, wenn Sie darunter lagen.
 
Berufserfahrung - Auch hier geht es um Berufserfahrung generell, egal ob im "erlernten Beruf" oder als akademisch geweihter Pizzabeleger. Ausbildungszeiten und Studienzeiten zählen nicht dazu, ebenso wenig "Ferienjobs". Die Punkte hier: Null für "keine Berufserfahrung", ein Punkt für weniger als zwei Jahre Berufserfahrung, zwei Punkte bei mehr als zwei Jahren.

Sprachkenntnisse - Jeder, der in einem fremden Land arbeiten will, sollte die Landessprache einigermassen beherrschen ... vor allem, damit man es etwas einfacher hat. Hier gibt es wieder Punkte: Null für keine oder "gerade mal die Basis" Kenntnisse, einen Punkt für "Schulenglisch", zwei Punkte für eine einigermassen sichere Beherrschung der Sprache.
 
Familie - Ausser SIe wollen den Totalaussteiger machen, sollten an Ihre Familie denken, mit ihnen sprechen, sie schonend vorbereiten, Rat einholen ... wie bei jeder wichtigen und planbaren Entscheidung im Leben. Für unsere Übung hier entscheidend ist jedoch die Familienstruktur selbst, nach der Sie sich wieder Punkte geben. Geben Sie sich vier Punkte, wenn Sie keine unmittelbare Familie haben - das heisst, Sie leben in keiner ständigen, festen Beziehung, haben keine abhängigen Familienangehörigen und sind so weit von Ihren Eltern (oder Kindern) abgenabelt, dass Sie alleine leben können. Geben Sie sich nur zwei Punkte, wenn Sie in einer festen Beziehung stehen. Wenn Sie abhängige Familienangehörige (Kinder, zu pflegende Angehörige) haben, geben Sie sich bitte hier keinen Punkt.
 
Gesundheit - Ich gehe davon aus, dass Sie keine das Berufsleben negativ beeinflussende Dauerkrankheit, kein Versorgungsleiden und keine schwere Behinderung haben und spreche von der generellen Gesundheit in den letzten drei Jahren. Schauen Sie bitte einmal zurück, wie oft und aus welchen Gründen Sie während dieser 36 Monate krank, also abwesend von Arbeit, Schule oder Studium waren. Streichen Sie alle die Tage, die als Unfallfolgen anfielen. Und dann geben  Sie sich zwei Punkte, wenn Sie im Jahresdurchschnitt weniger als fünf Tage gefehlt haben, einen Punkt, wenn es zwischen sechs und zwölf Tagen waren. Warst Du länger als zwölf Tage pro Jahr krankheitsbedingt abwesend ... null Punkte.

Stressresistenz - Wie reagieren Sie auf Stress? Dies ist hier kein Bewerbungsgespräch, Sie können ehrlich sein! Null Punkte, wenn Sie mit Stress nicht leben können ... zwei Punkte, wenn Sie sich "ab und an" gestresst fühlen ... vier Punkte, wenn Sie schon in stressigen Positionen gearbeitet haben und selbst dann die Übersicht und Ruhe behalten haben.

Isolation - "Wie reagieren Sie auf soziale Isolation?" ist die letzte Frage und auch hier sollten Sie ehrlich sein: Haben Sie sich schon einmal einen komplett neuen sozialen Umkreis schaffen müssen, etwa nach einem Umzug? Oder brauchen Sie nur ein minimales soziales Umfeld, weil Sie ohnehin ein Eigenbrötler sind? Oder finden Sie etwa über Hobbies, Kirche oder Sport schnell überall Anschluss? Wie sieht Ihre eigene Einschätzung aus? "Kein Problem" gibt zwei Punkte, "gemischte Gefühle" einen Punkt und "Oh Gott!" oder eben keine Erfahrung wiederum null Punkte.

So ... jetzt geht es ans Zusammenrechnen, irgendein Ergebnis zwischen null und achtzehn sollte herauskommen. Und dann lesen Sie bitte die folgenden Kommentare:

0-4 Punkte - Bitte vergessen Sie Ihren Plan, auszuwandern! Sie werden nicht glücklich werden, im Gegenteil: Sie werden Zeit, Energie und Nerven verschwenden und hinterher wahrscheinlich nur noch unglücklicher als jetzt sein.

5-9 Punkte - Das Risiko, das Sie eingehen wollen, ist hoch! Die Chancen zum Erfolg sind für Sie einigermassen in der Balance ... wenn Sie bereit sind, viel Geduld zu zeigen und auch viel Stress auf sich zu nehmen. Wenn Sie sowohl bei "Familie" wie auch bei "Stressresistenz" volle Punktzahl erreicht haben und wirklich bereit sind, die Risiken einer Auswanderung zu tragen, dann los! In allen anderen Fällen würde ich raten, diese Übung in etwa einem Monat noch einmal ehrlich zu wiederholen und dann das Ergebnis zu vergleichen.

10-14 Punkte - Sie sind fast der Idealkandidat für eine erfolgreiche Auswanderung und, bei entsprechender fachlicher Eignung, auch für viele Arbeitgeber. Abzuraten von einer Auswanderung wäre nur in den Fällen, wo abhängige Familienangehörige zu null Punkten geführt haben und zusätzlich bei Stressresistenz, Gesundheit oder Berufserfahrung nicht die Höchstpunktzahl erreicht wurde.

15-18 Punkte - Worauf warten Sie eigentlich noch ...?

Ich hoffe, Sie bist jetzt einen Schritt weiter ... wenn Sie jetzt auf Grund der "brutalen Punktewirtschaft" ein (vermeintlich) schlechtes Ergebnis erzielt haben, dann kann dies enttäuschend sein. Das ist aber besser, als später vor Ort die ganz grosse Enttäuschung zu erleben! Und niemand sagt, dass sich die Umstände nicht so ändern können, dass Sie in einigen Monaten fast ein Auswanderungs-Idealkandidat sind!

Will ich wirklich auswandern?

"Ich gehe nach Irland!" Was heisst das eigentlich genau? Wandere ich aus oder mache ich dort nur einen Arbeitsaufenthalt? Und bin ich mir dieses Unterschiedes bewusst?

Die meisten Menschen, die nach Irland kommen, haben ein recht verworrenes Bild, meist geprägt von Urlaubseindrücken, Arbeitgeberbroschüren, Mundpropaganda ... und sie stolpern auch dementsprechend mehr oder minder verwirrt die erste Zeit durch das irische Leben. Das ist Realität.

Spätestens nach einer Äusserung, so sie denn in den ersten Tagen gemacht wird, werden sie jedoch spöttische oder zumindest kritische Blicke von Kollegen wie Vorgesetzten ernten: "Ich werde für immer in Irland bleiben!" Das ist Realitätsverlust.

Abgesehen davon, dass so eine Aussage insgesamt zu absolut ist (Für immer? Was, ausser seiner persönlichen Moral, kann man heute schon "für immer" garantieren?) - aus unserer Erfahrung heraus sind die entschiedenen Vertreter dieser Meinung in weitaus mehr als der Hälfte aller Fälle binnen sechs Monaten "nach Hause" zurückgegangen, einige sogar binnen zwei Wochen. Warum? Weil sie keine Ahnung vom Leben in Irland hatten und auch keine Bindung ausser einem Arbeitsvertrag. Also geht es nach den ersten "Ohrfeigen, die das Leben gibt", von der Wohnungssuche bis hin zum Begreifen der echten Lebenshaltungskosten, ab auf die nächste Fähre in "Richtung Heimat" ...

Jeder Auswanderungswillige sollte sich daher selbst ins Gebet nehmen und fragen: "Will ich emigrieren oder nur Auslandserfahrung sammeln?" Beides sind durchaus gute Gründe, nach Irland zu gehen. Die Unterscheidung kann jedoch über den Erfolg der Aktion entscheiden!

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten der Antwort:
  • "Ich will einige Auslandserfahrung sammeln und für einen bestimmten Zeitraum in Irland bleiben."
  • "Ich möchte in Irland leben, bin mir aber noch nicht ganz sicher, für wie lange."
  • "Ich will mein Leben in Irland leben, in guten wie in schlechten Tagen ... "
Antwort Drei klingt wie ein Eheversprechen und sollte daher auch nur gegeben werden, wenn man schon einige Erfahrung gesammelt hat. Wesentlich realistischer für die meisten Menschen dürften die Antworten Eins und Zwei sein.

Die wohl meisten jüngeren Arbeitnehmer mit Ziel Irland sollten die Antwort Eins als realistisch ansehen - es geht Ihnen oft erstmal um Auslandserfahrung, um die Verbesserung der Sprachkenntnisse, um einen etwas interessanteren Lebenslauf und, oft ist auch das ein Grund, das "erste Mal auf eigenen Füssen". Gewissermassen eine Aus-Zeit vom "normalen Karrierepfad". Dafür ist Irland ein ideales Feld - und viele Arbeitgeber bieten auch massgeschneiderte Zeitverträge gerade für diese Menschen an. Übrigens wird man mit Zeitvertrag in der Regel nicht wie ein Arbeitnehmer 2. Klasse behandelt - im Gegenteil: Da man etwa die Nachfolgeplanung für den Manager vereinfacht, ist man oft "beliebter" als ein ewig hin- und herschwankender Arbeitnehmer mit Dauervertrag!

Antwort Zwei unterscheidet sich nur dadurch, dass man sich selbst nicht auf einen Zeitrahmen beschränkt - und das ist gerade am Anfang realistisch, wenn man mit dem Gedanken der permanenten Auswanderung liebäugelt. Diese Entscheidung sollte man erst, wie schon gesagt, nach einigen Erfahrungen treffen. Wenn man "das Leben" in Irland kennt ... und damit umgehen kann.

Eine endgültige Entscheidung kann man eigentlich immer erst treffen, nachdem man alles mehrfach überschlafen hat ... und man etwas Erfahrung als Ausländer gewonnen hat.

War ich schon mal ein Ausländer?

Dumme Frage, oder? Fast alle Menschen sind Ausländer, fast überall! Oder gibt es einen Unterschied zwischen Ausländern, etwa festzumachen an der Zeit ihres Verweilens?

Durchaus: Denn den Touristen schätzt man meist als Devisenbringer, er wird mit (vielleicht studierter) Höflichkeit behandelt, gehätschelt und gepflegt. Ihm öffnet sich fast jede Tür mit einem verständnisvollen Lächeln, mangelnde Sprachkenntnisse oder kleinere faux pas werden grosszügig verziehen. Nur ist es ja mit Besuch wie mit Fisch ... nach drei Tagen fängt er an zu stinken! Und nach diesen "drei Tagen" (oder den drei Wochen Sommerurlaub) beginnt das Leben als "Ausländer", als "Immigrant", als "Gastarbeiter" ... man ist kein "Tourist" mehr.
Was für Sie wichtig ist: Können Sie mit der Situation umgehen, plötzlich auf Dauer der "Ausländer" zu sein?

Generell gesehen kann einen niemand und nichts auf diese Situation vorbereiten.

Ideal wäre es natürlich, tatsächlich einige Zeit als Ausländer zu leben, also den gesamten Lebensmittelpunkt in die Fremde zu verlegen - aber wer kann das schon ausser Studenten mit Stipendium, Berufssoldaten oder Technikern im Auslandseinsatz? Und selbst diese Tätigkeiten erfüllen nicht unbedingt den Anspruch auf Erfahrung als "Gastarbeiter", lebt man doch meistens in einer relativ behüteten Umgebung.

Aber ... wenn Sie nicht gerade im kleinsten Dorf wohnen, werden Sie wahrscheinlich Gastarbeiter zumindest vom Sehen kennen - Türken, Viertnamesen, Kroaten, Italiener, Portugiesen oder andere Nationalitäten. Schauen Sie sich diese Minderheiten einmal mit offenen Augen und der Frage "Kann ich so leben?" an.

Was heisst "so leben"?

Ganz einfach ... wo kaufen diese Menschen spezielle Lebensmittel ein, beim Kaufmann um die Ecke, im Supermarkt am Stadtrand oder ener beim  monatlich im Spezialitätengeschäft in der nächsten Grossstadt? Wie integriert sind diese Menschen in das soziale System der Nachbarschaft? Welche Sprachprobleme haben diese Menschen im Alltag? Welche Probleme haben diese Menschen erst beim Verstehen des Behörden-Deutsch - und dann beim Kontakt mit den Behörden? Wie begegnen Arbeitskollegen diesen Menschen? Wie verbringen diese Menschen ihre Freizeit? Was für kulturelle Einrichtungen stehen "den Ausländern" zur Verfügung?
 
Und nun versetzen Sie sich einfach in so eine Situation ... nur mit umgekehrten Vorzeichen. Sie sind der "Ausländer", Sie müssen mit diesen Gegebenheiten und auch Problemen leben, Sie spüren die Nachteile etwa einer fremden Sprache oder Kultur.

Warum Irland als Ziel?

Fragen wir uns doch einmal ganz ehrlich - warum will man eigentlich nach Irland auswandern? Warum mehr als einen Urlaub auf der Insel verbringen?

Die meisten Immigranten haben ein ganz spezifisches Irlandbild, das auch der Hauptgrund für das Auswanderungsziel war. Die Zusammenfassung ist oft: "Irland, das sind seine Menschen und Geschichten, seine Dörfer, Berge, Wälder und Flüsse, das Meer, Seen und Quellen, seine kleinen pubs und stores, grosse und kleine Steinhäuser. Einsame Buchten, in denen nur das Gekreische der Vögel und das Wellenrauschen die Ruhe unterbrechen, Dörfer von sprödem Charme, Küsten, an denen die Klippen steil in die Tiefe fallen. Bekanntschaften sind schnell geschlossen, denn die Iren, diese so melancholisch-heiteren Geschichtenerzähler, sprechen jeden an."

So sagt es uns jedenfalls der "Marco Polo" Reiseführer "Irland" in seiner 9. Auflage von 2002. Und dieses Image wird auch durch zahlreiche Bildbände, Reisefeatures und natürlich die zahlreichen Touristen im Lande selbst aufrecht erhalten. Und es nicht nicht einmal gelogen ... wenn man sich die einsamen Gegenden im Nordwesten der Insel betrachtet. Dummerweise gibt es in gerade diesen einsamen Gegenden nicht gerade ein Beschäftigungshoch. Das herrscht in den Ballungsräumen Cork und Dublin, teilweise auch in Belfast - und die widersprechen wiederum der obigen Beschreibung Irlands in einigen, nicht unwesentlichen Punkten.

In Bewerbungsgesprächen werden Kandidaten oft auch nach ihrer Irland-Motivation gefragt. Einige der nicht unbedingt überzeugenden Antworten:
  • "Deutschland gefällt mir einfach nicht mehr!"
  • "Wie viele Deutsche habe ich mich schon immer danach gesehnt, in Irland zu leben."
  • "Es ist die Grüne Insel!"
  • "Es ist ein keltisches Land."
  • "Ich will ohne Verkehrsstau und Umweltverschmutzung leben."
  • "Ich reise gerne ..."
  • "Ich liebe die irische Musik."
  • "Ich war schon oft im Urlaub hier."
  • "Dort gehen die Uhren einfach anders.".
  • "Eigentlich will ich in die USA auswandern - und ich habe gehört, das ist von Irland aus einfacher."
  • "Ich habe schon in einem früheren Leben dort gelebt!"
Keine dieser Antworten sollte die Basis für eine Auswanderung nach Irland sein ... die Klischees gelten meist nur im Urlaub (oder für Privatiers und Rentner), nicht im täglichen Leben - das ist auch in Irland ein "rat race".

Wesentlich realistischer sind folgende Antworten:
  • "Ich sehe es als Zwischenstation, um meine Berufschancen langfristig zu verbessern - im Bezug auf Sprachkenntnisse, Erfahrung und vor allem Auslandsaufenthalt."
  • "Es gibt Arbeitsplätze in Irland!"
  • "Mich bindet nichts an meinen derzeitigen Wohnort und ich kein Problem darin, in einer anderen Kultur leben."
  • "Mein Partner ist Ire und wir wollen zusammenleben."
Die meisten Menschen haben ein Traumbild von Irland, das entweder durch Urlaub oder über "Dritte" (Erzählungen, Bücher, Fernsehen ...) geprägt ist. Nur wenige Menschen haben ein etwas realistischeres Bild, das entweder durch die eigene Erfahrung oder kritische Stimmen vermittelt wird. Ein Bild, in dem etwa weniger "romantische Hochkreuze" als "moderne, anonyme Zweckbauten" vorkommen.

Unser Tipp: Setzen Sie sich einmal in Ruhe an den Schreibtisch und machen Sie ein "brainstorming", was Ihnen zu Irland so alles einfällt.

Wenn die negativen Begriffe sich auf Dinge wie "Unterdrückung durch die Engländer", "Bürgerkrieg", "Kartoffelfäule" und "black pudding" beschränken, sich die positiven Begriffe aber häufen ... dann blenden Sie entweder vieles aus oder haben es nie wahrgenommen.

Wenn jedoch sich ein Gleichgewicht einstellt und auch so negative Begriffe wie "Umweltverschmutzung", "Landflucht", "Verkehrschaos", "hohe Preise", "Abhängigkeit von EU-Subventionen", "rapide Industrialisierung" und "hohe Lebenshaltungskosten" dazukommen, dann wird das Bild schon realistischer.

Und dann müssen Sie sich nur noch fragen, ob das Positive das Negative ausstechen kann ... und ob Sie mit den Negativa leben können.

Wenn die Antwort dazu "Ja!" ist, dann sollten Sie Irland als Ziel wählen.

Wenn Deine Antwort "Hm, vielleicht ..." lautet, dann sollten Sie sich noch mehr informieren und die Übung wiederholen.

Wenn Sie sagen "Ich glaube, ich könnte Schwierigkeiten bekommen!", sollten Sie sich auf jeden Fall weiter informieren, aber keine zu schnellen Schritte unternehmen.

Wenn Ihnen aber die Antwort "Etwas besseres als den Tod finde ich überall ..." zufliegt, dann ist das Auswanderungsziel irrelevant und können auch gleich mit einem Esel, einem Hund, einer Katze und einem Hahn in Richtung Bremen marschieren.

Letzten Endes gibt es für die meisten Menschen nur drei realistische Gründe für eine Auswanderung nach Irland, oder zumindest einen längeren Aufenthalt dort:
  • Der Arbeitsplatz oder die selbständige Existen dort - die Auswanderung aus rein wirtschaftlichen Gründen.
  • Der Wunsch, im englischsprachigen Ausland zu leben - unter diesem Aspekt ist die Auswanderung nach Irland die derzeit einfachste und auch immer noch wirtschaftlich sicherste.
  • Persönliche Gründe, wie etwa ein Partner im Lande.
Für die meisten Auswanderer spielen die ersten beiden Gründe die wichtigste Rolle - sie fühlen sich im englischsprachigen Ausland nicht unwohl, kommen mit dem Alltag sprachlich gut zurecht und haben dort auch ihr Auskommen.

Eine Auswanderung nach dem Motto "Irland ist toll, sagen alle, und es wird schon ..." dagegen kann klappen, tut es aber in den meisten Fällen nicht.
 

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