• droichead.net
• Irische
Landeskunde
• Nach
Irland reisen
• Nach
Irland auswandern
• In Irland
leben und arbeiten
• Bücher
zum
Thema Irland
• Irland Inside - der Irlandblog
• Impressum
|
Droichead.net • Auswandern
nach Irland •
Bewerbungsmarathon in Irland
Bewerbungsmarathon in Irland
Traumziel Irland ... aber sollte
man ohne Job auf die "Grüne Insel"?
Viele Arbeitssuchende gehen mehr oder minder "auf gut
Glück" nach Irland. Angelockt vom Bild des "Celtic Tiger" und dem
Gerücht, in Irland würde jeder Mensch schnell Arbeit finden.
Dies kann klappen, oder auch nicht - abhängig von der
Qualifikation, der angestrebten Position und oftmals schlicht der
Vorbereitung. Und bei letzterer kann Ihnen geholfen werden.
Bewerben in Irland - Fun-Run oder Marathon?
Wir wollen gleich einmal etwas klarstellen - Bewerben in
Irland ist kein Spass für Zwischendurch und kein kurzweiliger
Zeitvertreib. Man muss sich schon etwas reinhängen, das Beste
geben und auch Kondition vorweisen können. Rechnen Sie nicht mit
einem "Fun-Run", bei dem sogar blutige Amateure im lustigen Kostüm
ans Ziel kommen und ihre Medaille in Empfang nehmen. Rechnen Sie mit
einem Marathon, bei dem aus einem breiten Feld nur geübte
Läufer überhaupt ankommen und nur die Besten auch einen Preis
erhalten.
Die irische Arbeitslosenquote ist niedrig, es herrscht eigentlich
Volbeschäftigung. Warum also sollte man ausgerechnet auf Sie
warten, wenn Sie nicht gerade ausgewiesener Spezialist in einem
gesuchten Tätigkeitsfeld sind?
Arbeitssuchender - ein Full-Time-Job
Wenn Sie in Irland ernsthaft eine Arbeitsstelle suchen,
dann sollte Ihnen bewusst sein, dass "Arbeitssuchender" ein
Full-Time-Job ist. Gewissermassen "nine to five" und fünf Tage die
Woche.
Kommen Sie also nicht nach Irland, machen sich erstmal ein paar nette
Tage und stolpern dan nach dem Motto "Schaun mer mal ..." los. Das
touristische Programm sollten Sie auf den "Feierabend" und das
Wochenende verschieben. Sie sind in Irland, um einen Job zu finden,
nicht um Urlaub zu machen. Jeder Tag, den Sie vergeuden, muss von Ihnen
finanziert werden - womit auch klar ist, dass Sie haushalten
müssen.
Und Ihre Reserven genau beobachten - wenn Sie sich etwa vier Wochen als
Bewerber in Irland leisten können, dann muss nach drei Wochen
Realismus einsetzen und an Kompromissen gearbeitet werden. Sie
hätten gerne einen Job als Webdesigner, keiner scheint Sie derzeit
zu wollen? Entweder brechen Sie die Arbeitssuche jetzt langsam ab ...
oder arbeiten erstmal "unter Wert" als Barrista, Call-Centre-Agent oder
Verkäufer. Und setzen die Suche dann in Ruhe als "Nebenjob" fort.
Der Teufel steckt im Detail
Es ist erschreckend, mit wie wenig Vorbereitung viele
Menschen in Irland regelrecht "aufschlagen" - manchmal erscheint es,
als ob das Zielland nur gewählt wurde, weil es eben billig zu
erreichen war und Guinness daher kommt. Und als ob man sich bewirbt,
weil man gerade einmal Lust darauf hatte.
Dabei lassen sich die gröbsten Detailfehler doch so einfach
vermeiden ...
Flexibilität, das Zauberwort
Einer der grössten Fehler ist fehlende
Flexibilität - nur sich in Irland zu bewerben und dabei als
flexibel zu bezeichnen ... das macht noch keine Flexibilität aus.
Das beginnt schon bei dern Grundlagen der Jobsuche - jemand, der
ausschliesslich eine Arbeit als Graphiker in Tullamore sucht ist
naturgemäss unflexibler als jemand, der grundsätzlich
überall in Irland im IT-Bereich arbeiten würde, gerne auch in
einer Anfängerposition.
Die andere Unflexibilität zeigt sich in der Attitude zum
Bewerbungsmarathon - wer aus reiner Bequemlichkeit einen Termin um 9:00
Uhr ablehnt, weil es vor Sieben kein Frühstück im B&B
gibt und man ja eineinhalb Stunde fährt und das ist ja Hetze ...
Sie verstehen? Ich sage nur: Full-Time-Job!
Bewerbungsunterlagen immer "am Mann"
Egal, wie Ihr Tagesplan aussieht - Sie sollten Ihre
Bewerbungsunterlagen immer "am Mann" tragen. Das bedeutet, dass Sie
mindestens zwei Kopien eines vorzeigbaren Lebenslaufes in Hardcopy
(sauber, nicht geknickt) mit sich führen. Eine zum "Verteilen" im
Notfall, eine zum Erstellen weiterer Kopien im nächsten Copyshop.
Dazu bereiten Sie sich eine CD-ROM vor, auf der Sie Ihre komplette
Bewerbungsmappe gespeichert haben. Also Lebenslauf (in verschiedenen
Formaten - etwa Word, RTF und ASCII), Anschreiben, Kopien Ihrer
wichtigsren Zeugnisse, Nachweise und Referenzen (alle als .pdf-Datei).
Denselben Inhalt sollten Sie auch noch einmal auf einem
USB-Memory-Stick speichern.
Mit den zwei Datenspeichern sollten Sie an nahezu jedem Computer
vollkommen Zugriff auf alle Ihre Bewerbungsunterlagen haben - und Sie
können noch Kopien Ihres Reisepasses und anderer Papiere ablegen,
für den Notfall.
Übrigens: Wenn Sie einen Job in einem Bereich suchen, in dem
Arbeitsproben oder sogar ein komplettes Portfolo gefragt sind, warum
setzen Sie dies nicht auf CD-ROM oder DVD? Mit Beschriftung (bedruckte
Scheibe, nicht Handarbeit mit Marker) und einem Insert im crystal case
versehen. Zum Überreichen und Dalassen.
Die eMail-Adresse - eine Visitenkarte
Mindestens 90% aller schriftlichen Kontakte im
Bewerbungsprozess laufen per eMail - und dafür sollte Ihre
eMail-Adresse nicht kuschelmausbubu@beispiel.com
lauten! Auch nicht darkmaster666@beispiel.com,
bobbysands@beispiel.com oder
iwanttogotoireland@beispiel.com ...
Richten Sie sich bequem eine gesonderte eMail-Adresse bei einem
kostenlosen Provider an, die Sie dann für alle Bewerbungszwecke
nutzen. Für Freunde bleiben Sie kuschelmausbubu@beispiel.com,
für Recruiter und potentielle Arbeitgeber sind Sie ... ja, was?
Geben Sie sich konservativ. Nehmen wir den altbekannten Max Mustermann,
dann sind folgende eMail-Adressen absolut neutral und eindeutig
identifizierbar:
- maxmustermann@beispiel.com
- max_mustermann@beispiel.com
- max-mustermann@beispiel.com
- mmustermann@beispiel.com
- m_mustermann@beispiel.com
- m-mustermann@beispiel.com
- mustermannmax@beispiel.com
- mustermann_max@beispiel.com
- mustermann-max@beispiel.com
- mustermannm@beispiel.com
- mustermann_m@beispiel.com
- mustermann-m@beispiel.com
Eine davon wird wohl für Ihren Namen irgendwo passen,
zur Not hängen Sie Ihr Geburtsjahr dazu.
Aber passen Sie auf, was Sie da für einen Begriff schaffen -
überprüfen Sie den Wunschnamen ruhig einmal mit
Wörterbuch oder Google. Als Wilhelm Anker die eMail
wanker@beispiel.com zu wählen ist ... nun ja ... schlicht schlecht.
Welche Adresse und welchen Provider Sie auch wählen - achten Sie
darauf, dass Sie Ihre eMail überall in der Welt und an jedem
Computer in einem Browser abfragen und bearbeiten können.
Immer erreichbar per Telefon
Recruiter und potentielle Arbeitgeber fragen immer nach
der telefonischen Erreichbarkeit - wenn Sie dann fröhlich Ihre
Handynummer beginnend mit 0049 herunterrasseln war es das oft schon.
Entweder vergisst man die erste Null oder man hat schlicht kein
Interesse, ausländische Handys anzurufen.
Und noch etwas ... die Nutzung Ihres deutschen Handys in Irland (wenn
überhaupt möglich) wird Sie Unsummen kosten!
Gegenmassnahme? Sie gehen in den nächsten Laden von Vodafone, O2
oder Meteor und kaufen sich ein "Prepaid Mobile". Das ist eine einfache
Aktion, für die Sie lediglich Bargeld brauchen, keine grossen
Adressnachweise oder ähnliches. Und wenn Sie schon ein Handy
mitbringen, das kein SIM-Lock aufweist, dann können Sie auch nur
eine SIM-Karte bekommen. Und sind ab sofort unter einer irischen Nummer
erreichbar.
Alle Anbieter verkaufen ihre Prepaids übrigens mit
grosszügigen "call credits", die man aber nur nach Registrierung
voll nutzen kann. Gelegentlich kann man sogar Handys mit € 90 "call
credit" für € 60 erwerben - na, wenn das kein Geschäft ist?
Für Arbeitssuchende bewährt hat sich übrigens O2. Die
Handys sind auch in Deutschland nutzbar (Prepaids und Roaming is ein
eigenes Thema) und mit dem "Tagestarif" zahlt man innerhalb Irlands
tagsüber nur 15 Eurocent pro Minute.
Und ganz wichtig - richten Sie eine kurze, persönliche, aber
neutrale Nachricht ein und lassen Sie nicht angenommene Gespräche
immer auf die Mailbox umleiten.
Der Lebenslauf - CV steht nicht für "confused vorker"
Wir wollen hier nicht einen Lebenslauf erstellen, dazu
gibt es genug Informationen im Web und in Büchern. Aber folgende
wichtige Hinweise sollten Sie bitte beherzigen:
- In den CV gehören die oben angesprochene
"seriöse" eMail-Adresse und die aktuelle (irische) Telefonnummer.
Und zwar integriert, nicht schnell mit Kuli draufgeschmiert.
Aktualisieren Sie Ihren CV also, bevor Sie Ihn einsetzen.
- Der CV sollte relevant zu der Stelle sein, auf die
Sie sich bewerben - wenn Sie sich sowohl als Hilfskraft im IT-Bereich
wie auch als Sozialarbeiter bewerben, sollten Sie zwei Versionen Ihres
CV einsetzen. In denen jeweils die relevanten Kenntnisse hervorgehoben,
die weniger relevanten nach hinten geschoben werden.
- Der CV sollte nicht nur auf Englisch sein, er sollte
auch in korrektem Englisch abgefasst sein, mit (so weit wie
möglich) korrekten Übersetzungen oder Übertragungen von
Fachbegriffen. Dass Sie Schreibfehler vermeiden sollten erscheint
logisch.
Stundenplan - Nur nichts anbrennen lassen!
Wie schon gesagt ist Bewerben eine
Vollzeitbeschäftigung, also sollten Sie gleich Ihre "time
management skills" trainieren. Auch wenn es erstmal sinnlos erscheint,
kaufen Sie sich einen Kalender und arbeiten Sie nach Stundenplan.
Folgendes Muster könnte Sinn machen:
- 08:45 - Abhören der Handy-Mailbox, Abfragen
SMS, nötige Rückrufe notieren;
- 09:00 - Internetcafé, Abfragen von eMails,
beantworten oder für Rückrufe notieren;
- 10:00 - Rückrufe mit Ziel Terminvereinbarungen
- 11:00 bis 13:00 - Termine
- 13:00 - Pause
- 13:30 - Abhören der Handy-Mailbox und neue
Abfrage eMails
- 14:00 bis 17:00 - Termine
- 17:00 - Abhören der Handy-Mailbox und neue
Abfrage eMails
Wenn Sie so regelmässig Ihre Kommunikation
aktualisieren sollten Sie keinen grossen Verzug bei Antworten erleben,
teilweise sogar binnen eines Tages vom Erstkontakt mit einem Recruiter
zur Terminvereinbarung mit einem potentiellen Arbeitgeber gelangen.
Übrigens - wenn Sie eine eMail bekommen mit der Bitte, per eMail
oder Telefon in Kontakt zu treten ... wählen Sie immer das
Telefon! Und hinterlassen Sie eine Nachricht, wenn der
Gesprächspartner nicht erreichbar ist. Schicken Sie dann eine
eMail hinterher.
Der erste Eindruck hat keine zweite Chance!
Ganz wichtig und oft einfach ignoriert - Sie sind auf
Jobsuche und müssen jederzeit damit rechnen, zu einem Termin gehen
zu müssen. Wählen Sie Ihre äussere Erscheinung
dementsprechend.
Ihr Tagesoutfit sollte "business casual" sein, Anzug ist nicht
nötig. Als Tasche beschränken Sie sich auf eine kleine,
neutrale Umhängetasche oder einen kleinen Rucksack. Waschen Sie
sich gelegentlich und nehmen Sie immer einen Kamm mit.
Wer sich auf Positionen mit etwas gepflegterem Kundenkontakt bewirbt
und dann in zerrissenen Jeans, einem durchgeschwitzten T-Shirt und mit
einem gerade bei Lidl vollgestopften 80-Liter-Rucksack ankommt ...
hätte sich das Fahrgeld meist auch sparen können.
|