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Ausländerfeindlichkeit in
Irland
Ausländerfeindlichkeit in
Irland - Cead Mile Failte?
Nicht unbekannt:
Ausländerfeindlichkeit, Xenophobie und Rassismus auf der
"Grünen Insel"
Das klassische Bild von Irland ist klischeebehaftet - Iren
sind immer freundlich, dem Besucher gegenüber aufgeschlossen und
"es gibt keine Fremden ... nur Freunde, die man noch nicht getroffen
hat". Das klingt alles recht schön und stimmt bis zu einem
gewissen Grad auch. Zumindest bis zu dem Moment, in dem der Besucher
nicht mehr nach Hause fährt. Oder gar recht offensichtlich ein
Fremder ist - nämlich nicht "Weiss".
Auch wenn dieser Artikel vielen Irlandfans in tiefster Seele wehtun mag
... Ausländerfeindlichkeit und Rassismus sind im modernen Irland
eine Realität, mit der man sich über kurz oder lang
auseinandersetzen muss.
Problem: Xenophobie vieler Iren
Inselbevölkerungen haben weltweit etwas gemeinsam -
Dank ihrer begnadeten geographischen Lage konnten sie sich
ungestört entwickeln. Was für Lemuren aus Madagaskar und
Finken auf Galapagos gilt, das gilt ebenso für Menschen.
Inselkulturen weisen meist vollkommen eigene Züge auf, von
physischen Merkmalen über die Sprache bis hin zu einem starken
Gruppengefühl trotz verschiedener Fraktionen. Letzteres wird
besonders dann deutlich, wenn die Insel "entdeckt" wird, vielleicht
sogar kolonisiert. Dann heisst es "us" gegen "them" ...
Irlands
rund zehntausend Jahre umfassende Geschichte war oft genau von
diesem Konflikt geprägt. "Frisches Blut" kam immer nur dann auf
die "Grüne Insel", wenn der gierige Blick eines Eroberers auf das
Land fiel. Von den semi-mythologischen Milesiern über die Kelten
und die Anglo-Normannen bis hin zu den schottischen und englischen
Kolonisten. Wen wundert es, dass sich in Irland eine tief verankerte
Xenophobie, also Angst vor Fremden, entwickeln konnte?
In den irischen Schulen wird Geschichte oft nach dem Motto "Wir gegen
den Rest der Welt" unterrichtet. Wobei sich das "wir" natürlich
immer wieder verändert hat - spätestens dann, wenn es
gemeinsam gegen den nächsten "Eindringling" geht. Selbst die IRA
hatte in der jüngeren Vergangenheit keine dringenderen Aufgaben,
als von Deutschen bewirtschaftete Bauernhöfe in der Republik
niederzubrennen. Während die Kollegen von der UVF bei indischen
Immigranten schon gelegentlich freundlich nachfragten, ob sie nun
katholische oder protestantische Hindus seien ...
Übrigens ist nach Ansicht vieler Beobachter die Xenophobie der
Iren auch der Grund, warum überall auf der Welt rasend schnell
"irische Enklaven" entstehen. Man pflegt weniger das gemeinsame
Kulturerbe als dass man sich "einigelt".
Der ideale Ausländer ... reist bald wieder ab
Andererseits hat man den Fremden seit dem 19. Jahrhundert
als Freund entdeckt - in seiner Eigenschaft als Tourist. Der Tourist
hat natürlich Vorteile: Er bringt Geld ins Land, sorgt für
etwas Abwechslung und verschwindet dann bald wieder. Selbst mit
"Wiederholungstätern" muss man sich maximal drei Wochen im Jahr
herumschlagen.
Und dem Touristen schlagen tatsächlich die hunderttausend
Willkommen der gesamten Tourismusindustrie entgegen ... auch
begünstigt durch die Tatsache, dass jedes dieser Willkommen im
Durchschnitt einen Eurocent Profit bringt.
Problem: Angst um irische Arbeitsplätze
Ein typischer Dialog am Tresen in Dublin 15 - einer
Gegend, in der seit den 1990ern Immigranten und Sozialfälle auf
engstem Raum kollidieren:
Ire - "Feckin' foreigners, I can't find a job because of all of you
coming in and taking them away from us ..."
Deutscher - "My job requires fluent German - do you speak German?"
Ire - "No, why?"
Deutscher - "Well, in that case I am not taking your job away at all,
you are not qualified to do the job I do."
Ire - "I'm going to break your face, you feckin' arsehole!"
Angst ist oft irrational. Und mit solchen irrationalen Ängsten
können Rattenfänger ihr Gefolge sammeln. Wie etwa Labour-Chef
Pat Rabbitte, der orakelnd bekanntgab, dass es 40 Millionen Polen
gibt. Und so mit der Angst um den eigenen Arbeitsplatz taktierte.
Wohlgemerkt in einem Land, dass nach wie vor Immigranten braucht, um
die vorhandenen Arbeitsplätze zu besetzen.
In Irland herrscht 2007 trotz rund 10% Immigrantenanteil in der
Bevölkerung Vollbeschäftigung - de facto nimmt kein Immigrant
einem Iren den Arbeitsplatz weg. Im Gegenteil schaffen viele
Immigranten sogar neue Arbeitplätze.
Ein verwandtes Problem ist die tief verwurzelte Meinung vieler Iren,
dass bei gleicher Eignung und Qualifikation ein Ire immer den Vorzug
gegenüber einem Ausländer bekommen sollte. Und dass man sogar
geringere Eignung und Qualifikation durch eine irische Geburtsurkunde
aufwiegen kann. Wer länger in Irland ist wird feststellen, dass
auch das (irische) Management vieler Grossfirmen dieser interessanten
Meinung ist. Was bedeutet, dass Landsleute oft in Positionen weit
oberhalb ihres Kompetenzlevels landen.
Der ideale Ausländer ... macht die Dreckarbeit
Kein Problem haben dagegen die meisten Iren mit
Ausländern, die gegen ein verhältnismäsdig geringes
Entgeld die Jobs machen, die man selbst nicht als begehrenswert
ansieht.
Entsorgungs- und Recyclingfachkräfte sprechen daher oft Litauisch
untereinander, Gebäudereiniger sind oft von dunklerem Teint und
Kassiererinnen weisen sich auf dem Namensschild als "Aleksandra" oder
"Agnieska" aus. Von rumänischen Scheinselbständigen, die
für ein Drittel des Tariflohns auf Baustellen im Akkord schuften,
wollen wir gar nicht reden.
Der Hotel- und Gaststättenbereich ist von ausländischen
Arbeitskräften mit teilweise kaum vorhandenen Englischkenntnissen
geprägt - so sehr, dass dies bereits dem Tourismusminister eine
Warnung wert war. Er fürchtete um die "Marke Irland", die ja auch
die typisch irische Gastfreundschaft einschliesst.
Problem: Mangelnde Kommunikation
Sprache ist ein grosses Problem - obwohl viele Iren selbst
eine Sprache verwenden, die mit "Hiberno-English" noch freundlich
umschrieben ist, in der Realität aber eher ein "dem Englischen eng
verwandter Regionaldialekt" ist. Vom Ausländer wird erwartet, dass
er entweder diesen Dialekt beherrscht oder sich zumindest in klarem,
sauberem Englisch bemüht. Nun haben viele Immigranten das Problem,
entweder Englisch als Fremdsprache gelernt (oder aufgeschnappt) zu
haben oder selber einen lokalen Dialekt zu sprechen ...
"Pidgin-English" eben.
Das führt zu Missverständnissen, Reibung und oft auch zu
Ausbrüchen wie "Go hame tae yer own feckin' country and inly dare
tae come back 'ere after ye've learnt talkin' proper, eh ..."
Allerdings muss man zugeben, dass es enorm nervig ist von einem
Verkäufer angerufen zu werden, der einem im grottenschlechten
Englisch etwas aufschwatzen will. Schuld sind jedoch de Arbeitgeber,
die diese Leute einsetzen.
Der ideale Ausländer ... spricht besser Englisch als die
Iren
Das ist selbstverständlich leicht übertrieben -
aber stimmt generell schon. Je besser man Englisch spricht, desto
weniger Probleme wird man als ("weisser") Ausländer in Irland
haben.
Wobei gutes Englisch sich auf die Grundlagen der Sprache bezieht, nicht
auf das oft beobachtete (und meist schmerzhaft peinliche)
Nachäffen des Lokaldialekts.
Problem: Irische Behörden mit Tunnelblick
Ein Problem, dass viele Ausländer betrifft, ist der
ausschliesslich auf Irland fokussierte Tunnelblick vieler Behörden
(und, in geringerem Masse, Arbeitgeber). Was nicht ins irische Schema
passt, das gibt es (erstmal) nicht.
Einige Beispiele:
So wird man als Deutscher schon 'mal nach der "long form" der
Geburtsurkunde gefragt, einer spezifisch irischen Form. Und das obwohl
die Vorschrift sagt "Vorlage von Pass oder Geburtsurkunde". Nachgefragt
kam die Antwort: "Das gilt für Iren, Ausländer brauchen
beides!" Ein diesbezüglicher Passus in den Vorschriften konnte
nicht benannt werden.
Bei einem Hauskauf musste der Familienstand angegeben werden -
"geschieden". Also musste die Scheidungsurkunde beigebracht werden.
Verwirrter Blick und dann der Kommentar: "Das ist aber keine irische
Scheidungsurkunde!" Der Hinweis, man habe ja auch nicht in Irland
geheiratet brachte die Antwort, dass eine Hochzeit schliesslich
weltweit gültig sei. Und man doch sich um eine irische
Scheidungsurkunde kümmern solle. Nach einem Ausbruch, ob man denn
nun nochmal heiraten solle, um sich dann zu scheiden ... wurde
"ausnahmsweise" auch eine notarielle Bestätigung der Scheidung
durch die Botschaft anerkannt.
Ein Schwarzer wird am Immigrationspunkt auf dem Flughafen Dublin sofort
gefragt, ob er ein Visum habe. Als er verwirrt guckt, wird genau
gefragt, was er denn in Irland wolle. Die laute Antwort: "I want to
visit my cousin in Donegal and as a US citizen I do not need a visa, or
do I?" Die Grossmutter des "Afrikaners" war Irin.
Einem asylsuchenden Afrikaner wurde mitgeteilt, über seine
ghanaische Staatsbürgerschaft gäbe es erhebliche Zweifel, da
er bei einem Gespräch keine Frage zu Ghana richtig beantwortet
habe. Die Abschiebung wurde verfügt. Der Mann konnte den Prozess
erstmal damit aufhalten, dass er auf das Detail hinwies, dass er
Sudanese sei. Als er dann noch nachweisen konnte, dass die meisten
"richtigen" Antworten auf dem behördlichen Test sachlich falsch
waren ...
Besonders pervers wird der gesamtirische Tunnelblick, wenn sich selbst
Spitzenpolitiker ins Zeug legen, um den "undocumented Irish" in en USA
ein Bleiberecht zu verschaffen.
"Undocumented Irish" ist der politisch korrekte Begriff für Iren,
die in Verletzung der US-amerikanische Immigrationsgesetze illegal in
den USA leben. Illegale Einwanderer eben. Der wesentliche Unterschied
zu illegal in Irland lebenden Einwanderern besteht darin, dass diese
eben von den irischen Behörden in Nacht- und Nebelaktionen
deportiert werden.
Der ideale Ausländer ... ist eigentlich ein Ire
Je mehr irische Dokumentation ansammelt, desto leichter
wird das Leben im Lande - aber das ist fast überall auf der Welt
so. Es wird einem nur bewusster, wenn man plötzlich das Opfer
solchen Behördenwahnsinns wird. Als Ausländer.
Und man kann sich trösten ... denn aus dem Zwang heraus sammelt
man binnen kurzer Zeit mehr Dokumente an als der durchschnittliche Ire
in seinem ganzen Leben. Was dann irgendwann einem zum Vorteil gereichen
kann.
Man wird jedoch nie das anscheinend gottgegebene Recht der Iren
erwerben können, selbst als illegaler Immigrant auf
Regierungsunterstützung hoffen zu können.
Problem: Irischer Rassismus
Rassist darf man in Irland nicht sein, das verbietet das Gesetz
- weswegen es in Irland aber nicht weniger Rassisten gibt. Standardsatz
"I am not a racist, but those darkies ..." Rassismus ist letztlich nur
eine weitere Spielart der vorherrschenden Xenophobie. Allerdings eine
Spielart, die durch offensichtliche, äussere Merkmale
begünstigt wird.
Der ideale Ausländer ... ist ein "Weisser"
Wer als "Weisser" (also mitteleuropäisch aussehender
Mensch) durch Irland läuft, der wird sich oft kaum vorstellen
können, dass es hier Rassismus gibt. Schlicht aus dem einfachen
Grund, dass man selbst nicht betroffen ist. Man fällt eben nicht
auf.
Anders ist es für Afrikaner, Asiaten oder Araber, sie sind
offensichtliche Fremde. Da hilft dann auch kein schwachsinniger Tipp
wie "kleidet Euch nicht so auffällig" - wenn das Gesicht schwarz
ist, dann ändert ein Celtic-Jersey wenig. Im Gegenteil
könnten sich einige "Fans" berufen fühlen, die Ehre ihres
Clubs wieder herzustellen.
Äussert sich irische Ausländerfeindlichkeit in
Aggression?
Ja, leider - abgesehen von herabsetzenden Bemerkungen kann
es auch zu physischen Konflikten kommen. Diese sind vor allem im Umfeld
von Pubs oder Nachtclubs weit verbreitet. Hier ist meist die
Hemmschwelle durch Alkohol genügend gesenkt. Und es ist auch am
ehesten der Ort, an dem man über Äusserlichkeiten hinaus den
Fremden erkennt, an der Sprache etwa.
Natürlich ist das Risiko, Opfer einer xenophobischen Attacke zu
werden, geringer je weniger auffällig man selbst ist. Sitzt man
ruhig in Freizeitkleidung am Tresen ist man kaum erkennbar. Und
selbstverständlich zieht ein verliebt spazieren gehendes
polnisches Pärchen im Park weniger Aufmersamkeit auf sich als eine
gröhlende Gruppe französischer Teenager. Den Vorteil der frei
wählbaren Unauffälligkeit aber haben Nigerianer, Pakistanis
oder Koreaner eher nicht - weswegen sie auch das grösste Risiko
tragen.
"Warum tun die Iren das ... die waren doch selbst immer
Emigranten?"
Das ist die 64.000-Dollar-Frage, die der Irlandfan
regelmässig zu dem Thema stellt. Kann man dazu eine einfache
Antwort geben? Nein!
Aber hier einige Denkansätze:
- Die derzeit in Irland lebenden Menschen sind nicht
die von der Hungersnot gebeutelten Iren in "Gangs of New York" - Iren
haben kein Gen, das Sympathie für Migranten erzeugt. Iren haben
mit den "Irish-Americans" in etwa so viel gemeinsam wie Buxtehude mit
der Colonia Dignidad.
- Wie oft beobachtet wird, werden Unterdrückte
gerne selbst zu Unterdrückern, um so für das erlittene
Unrecht zu kompensieren.
- Viele Iren haben die Opferrolle zur Kunstform
erhoben und werden immer behaupten, dass es niemandem so schlecht geht
wie ihnen (... und das seit Strongbows Zeiten). Die Tatsache, dass
Irland eines der reichsten Länder Europas ist, ändert nichts
an diesem "Faktum".
- Und letztlich: Irland hat keine Tradition der
Immigration - die Iren verabschiedeten ihre Emigranten, die
Daheimgebliebenen bekamen Post aus der neuen Heimat ... aber nie selbst
Immigranten zu sehen. Erst in den 1990ern wurde Irland zum
Immigrationsland. Und daran müssen sich die meisten Iren erst
gewöhnen, genauso wie an eine multi-kulturelle,
multi-religiöse Gesellschaft.
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